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Gastkünstlerin

Marlies Baumgartner

„Mirror Selfie” – Öl auf Leinwand, davor eine Glasscheibe mit Acryl. Wer davorsteht, sieht sich selbst, eingebettet in das gemalte Bild. Die in Brixen geborene und in Neustift lebende Künstlerin Marlies Baumgartner arbeitet in Malerei und Performance und untersucht, wie digitale Medien unser Selbstbild verformen. Plattformen ermöglichen „Neugeburten” im virtuellen Raum, Menschen präsentieren sich wie in einer Glasvitrine. Für sie zeigt sich Mensch sein im Spannungsfeld zwischen Verbundenheit und Autonomie, zwischen Authentizität und Inszenierung.
 
 
About
Marlies Baumgartner
Die Künstlerin ist 1995 in Brixen geboren, lebt und arbeitet in Neustift. Nach dem Maturadiplom an der Kunstschule „Cademia" in St. Ulrich (2014) studierte sie Malerei an der Libera Accademia di Belle Arti (LABA) in Florenz und schloss 2019 mit dem Laureadiplom in Bildender Kunst – Malerei ab.
In ihrer Malerei wird die Leinwand zum Bildschirm. Arbeiten wie „The Screen" (2019, Druck und Acryl auf Leinwand) oder neuere Stücke auf Glas und Leinwand zeigen, wie digitale Oberflächen sich heute zwischen Wahrnehmung und Welt schieben – mal als Filter, mal als Verzerrung, mal als Distanz zu dem, was wirklich da ist. Baumgartner spricht von der „Übermoderne", in der wir alles kontrollieren wollen und dabei aus dem Blick verlieren, dass wir längst die Kontrollierten sind. Ihre Bilder fragen, wie sich der Weg zurück zum Urtümlichen finden lässt. 
Was hat dich zum Thema „Mensch sein“ inspiriert,
was ist für dich Mensch sein:


Menschsein bedeutet weit mehr, als lediglich einen physischen Körper zu bewohnen. Es beschreibt eine vielschichtige Einheit aus Körper, Geist und Seele – ein dynamisches Zusammenspiel, das uns befähigt zu empfinden, zu denken, zu reflektieren und uns auszudrücken. Der Mensch ist ein Lebewesen, das nicht nur existiert, sondern sich seiner eigenen Existenz auch bewusst ist.
Zwei zentrale Grundbedürfnisse prägen dabei das menschliche Dasein: das Bedürfnis nach Verbundenheit und das Streben nach Autonomie. Einerseits sucht der Mensch Nähe, Austausch und Zugehörigkeit – sei es durch zwischenmenschliche Beziehungen, Sprache oder gemeinschaftliche Erfahrungen. Andererseits besteht ein ebenso starkes Verlangen nach individueller Entfaltung, nach Selbstbestimmung und persönlichem Ausdruck.
Menschsein zeigt sich somit im Spannungsfeld zwischen diesen Polen: zwischen Anpassung und Abgrenzung, zwischen Kollektiv und Individuum. Es ist die Fähigkeit, Emotionen zu erleben, Gedanken zu formen und diese durch Sprache, Kunst oder Handlung nach außen zu tragen. Gerade im kreativen Ausdruck wird sichtbar, wie Menschen ihre innere Welt verarbeiten und mit ihrer Umwelt in Dialog treten.
In meiner Arbeit untersuche ich in erster Linie den zeitgenössischen Menschen sowie unsere kollektive und individuelle Weiterentwicklung, die durch ein Medium mitgeprägt wird, das zu einem alltäglichen Begleiter geworden ist. Ein Gerät, das einen festen und zentralen Platz in unserem Leben eingenommen hat, trägt dazu bei, dass sich die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung zunehmend verschieben. Menschen präsentieren sich selbst wie in einer Glasvitrine und sind dadurch täglich einem globalen Wettbewerb ausgesetzt.
Eine Plattform, die eine oder sogar mehrere „Neugeburten“ im virtuellen Raum ermöglicht, bildet die Grundlage einer Parallelwelt. Das Sichtbare und das Unsichtbare dokumentieren dabei die Transformation des Körpers, der dazu neigt, sich in unzählige Fragmente aufzulösen.
Das Werk „Mirror Selfie“ versteht sich als Reflexionsfläche für diese Entwicklungen. Die Arbeit hinterfragt nicht nur den Umgang mit digitalen Medien, sondern auch die daraus resultierenden Verschiebungen unseres Selbstverständnisses als Mensch – zwischen Authentizität und Inszenierung, zwischen Realität und Projektion.