Von Dürer bis zur Künstlerkolonie
Die Kunstgeschichte Klausens beginnt nicht mit einem geplanten Kunstprojekt, sondern mit einem Blick. Im Herbst 1494 machte der junge Albrecht Dürer auf seiner Italienreise in Klausen Halt. Vom Tschanberg oberhalb des Eisacks aus zeichnete er die Stadt mit ihren Häusern, Türmen und dem Säbener Berg. Die ursprüngliche Zeichnung ist zwar verloren, doch das Motiv lebt weiter: Es wurde später im Hintergrund seines Kupferstichs „Das große Glück“, auch „Nemesis“ genannt, verwendet. Heute erinnert der Dürerstein an diesen besonderen Aussichtspunkt.
Viele Jahrhunderte später wurde Klausen erneut zu einem Ort, der Kunstschaffende anzog. Ab den späten 1870er-Jahren entwickelte sich das Städtchen zu einem beliebten Treffpunkt für Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Gelehrte. Das mittelalterliche Stadtbild, die heimelige Atmosphäre, die Landschaft am Eisack und das Licht machten Klausen zu einem Freiluftatelier.
Zwischen 1874 und 1914 hielten sich nahezu 300 Künstler in Klausen auf – darunter bekannte Namen wie Alexander Koester, Franz von Defregger, Albin Egger-Lienz und Hans Loesch, aber auch einheimische Künstler wie Gallmetzer, Piffrader, Rabensteiner und Telfner. Besonders Alexander Koester ist eng mit Klausen verbunden: Er lebte und wirkte hier über viele Jahre und fand im Eisackstädtchen wichtige Motive für sein Schaffen.
So wurde aus Klausen mehr als eine schöne historische Stadt. Klausen wurde ein Ort, an dem Kunst entstand – und an dem der Künstlerblick bis heute spürbar bleibt.