Was hat dich zum Thema „Mensch sein“ inspiriert,
was ist für dich Mensch sein:
Menschsein bedeutet weit mehr, als lediglich einen physischen Körper zu bewohnen. Es beschreibt eine vielschichtige Einheit aus Körper, Geist und Seele – ein dynamisches Zusammenspiel, das uns befähigt zu empfinden, zu denken, zu reflektieren und uns auszudrücken. Der Mensch ist ein Lebewesen, das nicht nur existiert, sondern sich seiner eigenen Existenz auch bewusst ist.
Zwei zentrale Grundbedürfnisse prägen dabei das menschliche Dasein: das Bedürfnis nach Verbundenheit und das Streben nach Autonomie. Einerseits sucht der Mensch Nähe, Austausch und Zugehörigkeit – sei es durch zwischenmenschliche Beziehungen, Sprache oder gemeinschaftliche Erfahrungen. Andererseits besteht ein ebenso starkes Verlangen nach individueller Entfaltung, nach Selbstbestimmung und persönlichem Ausdruck.
Menschsein zeigt sich somit im Spannungsfeld zwischen diesen Polen: zwischen Anpassung und Abgrenzung, zwischen Kollektiv und Individuum. Es ist die Fähigkeit, Emotionen zu erleben, Gedanken zu formen und diese durch Sprache, Kunst oder Handlung nach außen zu tragen. Gerade im kreativen Ausdruck wird sichtbar, wie Menschen ihre innere Welt verarbeiten und mit ihrer Umwelt in Dialog treten.
In meiner Arbeit untersuche ich in erster Linie den zeitgenössischen Menschen sowie unsere kollektive und individuelle Weiterentwicklung, die durch ein Medium mitgeprägt wird, das zu einem alltäglichen Begleiter geworden ist. Ein Gerät, das einen festen und zentralen Platz in unserem Leben eingenommen hat, trägt dazu bei, dass sich die Grenzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung zunehmend verschieben. Menschen präsentieren sich selbst wie in einer Glasvitrine und sind dadurch täglich einem globalen Wettbewerb ausgesetzt.
Eine Plattform, die eine oder sogar mehrere „Neugeburten“ im virtuellen Raum ermöglicht, bildet die Grundlage einer Parallelwelt. Das Sichtbare und das Unsichtbare dokumentieren dabei die Transformation des Körpers, der dazu neigt, sich in unzählige Fragmente aufzulösen.
Das Werk „Mirror Selfie“ versteht sich als Reflexionsfläche für diese Entwicklungen. Die Arbeit hinterfragt nicht nur den Umgang mit digitalen Medien, sondern auch die daraus resultierenden Verschiebungen unseres Selbstverständnisses als Mensch – zwischen Authentizität und Inszenierung, zwischen Realität und Projektion.