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Hauptkünstler

Christian Gufler

Was als Konzept über Gleichwertigkeit begann, wurde für den Fotografen selbst zu einem Lernprozess. Dreißig Menschen hat Christian Gufler in seinem Studio in Lana für sein Projekt „Menschheitsfamilie“ vor seine Linse geholt: darunter eine Klosterfrau, einen Querschnittsgelähmten, eine Blinde, die Torball spielt, eine 88-Jährige, die eine Kriegskindheit erinnert. Gleiches Licht, schwarzer Hintergrund, die gleiche Einladung. Heraus kamen besondere Porträts – und ein unglaublicher Respekt.

„BEIM FOTOGRAFIEREN SUCHE ICH DEN GLANZ IN DEN AUGEN, DAS IST FÜR MICH LEBEN.“

Die zündende Idee kam Christian in Rom. Er stand auf einem der großen Plätze, statisch, während Menschen aller Nationen um ihn herum vorbeiliefen, wie in einem Ameisenhaufen. Er war einer unter vielen. Genau diesen Effekt wollte er für sein Werk einfangen – nur dass er ihn umgekehrt hat. In der Apostelkirche von Klausen sind es die Besucher, die sich bewegen und durch eine Menschenmenge streifen.
Christian entwickelt dafür fünfzehn Fahnen, vorne und hinten bedruckt. Dreißig lebensgroße Porträts auf Stoff. Wer hindurchgeht, hat in jede Richtung einen Menschen vor sich. Egal, wohin man blickt: Jemand steht da. Alle Porträtierten sind sorgfältig ausgewählt worden, alle möglichen Unterschiede wollte Christian einfangen. Entstanden ist eine Menge, die mit dem Hindurchschreiten eine neue Begegnung mit sich selbst ermöglichen soll.
Hautfarben, Religionen, Alter, soziale Stände, Beeinträchtigungen – bewusst gesucht, bewusst nebeneinander gestellt. Erst wollte Christian alle Menschen in Schwarz-Weiß zeigen, um Gleichheit zu erhalten. Beim Fotografieren hat er es dann aber anders verstanden: Gleichwertigkeit braucht die Farbe. Die roten Haare. Die Hauttöne. Das Eigene jedes Einzelnen. Im Hintergrund läuft in der Ausstellung eine Audiocollage – jeder der Porträtierten stellt sich in seiner Sprache vor und erzählt kurz über sich. Sodass selbst blinde Besucher:innen in die Menschenmenge eintauchen können.
 

„Logisch sagt jeder, alle Menschen sind gleichwertig. Aber in der Praxis ist es nicht so.“ Die Theorie kannte Christian, das ist das, was man sagt. Aber seine Erkenntnis, dass es in der Praxis nicht so ist, kam erst durch die Gespräche im Studio: Die Zeit, die er mit den Menschen im Studio verbracht hat, ihre Lebensgeschichten, die er sonst nie gehört hätte, haben ihn begreifen lassen, dass wir anderen oft mit so vielen Vorurteilen begegnen, ohne sie wirklich zu kennen.
Christian ist klassisch gelernter Fotograf der alten Schule, wie er selbst betont. Er begann seine Karriere in München, in der Auto- und Modefotografie, später zur Abwechslung Luftaufnahmen aus dem Hubschrauber, zwanzig Jahre Werbefotografie in Südtirol. Parallel entstand seine künstlerische Arbeit – die „Lost Places“, verlassene Orte rund um die Welt –, die ihn nach einem liebevollen Stupser eines Kunden und Künstlerkollegen schließlich in die Welt der Kunst führte.
Mit 55 verkauft Christian sein Fotostudio. Für andere unverständlich, für ihn ein Befreiungsschlag. Die KI verändert seinen Beruf schneller, als ihm lieb ist, erzählt er kopfschüttelnd. Permakultur, Schaufel und Pickel, draußen sein – das ist sein neuer Weg. Und mit der Kamera weiter künstlerisch die Welt erkunden. Die fünfzehn Fahnen sind das letzte große Werk aus diesem Studio. Entstanden ist eine Menschheitsfamilie.
 
Über den Künstler und sein Werk
Biografie

Christian Gufler | *1971 in Meran, lebt in Lana 

Christian Gufler ist klassisch gelernter Fotograf „der alten Schule“, wie er selbst betont – ausgebildet in Meran und München, seit 1994 in der Werbefotografie zu Hause: Auto und Mode, Luftaufnahmen aus dem Hubschrauber, danach über zwanzig Jahre mit eigenem Studio in Südtirol. Parallel wuchs seine künstlerische Leidenschaft, er fotografiert „Lost Places“, verlassene Orte rund um die Welt. Der Reiz des Verbotenen, der Zauber des Vergessenen und die Geschichte dahinter: Christian holt das Verborgene ans Licht, lässt den morbiden Charme dieser Orte neu aufscheinen und stemmt sich mit seinen Bildern gegen Verfall und Vergänglichkeit. Ein liebevoller Stups eines Kunden und Künstlerkollegen führte ihn schließlich ganz in die Kunst. Mit 55 verkauft er sein Fotostudio – für andere unverständlich, für ihn ein Befreiungsschlag, auch weil die KI seinen Beruf schneller verändert, als ihm lieb ist. Heute sucht er einen neuen Weg: Permakultur, draußen sein, Schaufel und Pickel – und mit der Kamera weiter künstlerisch die Welt erkunden. 

 
Werkbeschreibung

„Menschheitsfamilie“
Dreißig Menschen hat Christian Gufler in seinem Studio in Lana vor die Linse geholt – gleiches Licht, gleicher Hintergrund, gleiche Einladung: darunter eine Klosterfrau, ein Querschnittsgelähmter, eine blinde Torballspielerin, eine 88-Jährige mit Kriegskindheit. Die Idee kam ihm in Rom, als er mitten auf einem überfüllten Platz stillstand und Menschen aller Nationen an ihm vorbeiströmten – er war einer unter vielen. Hier in der Apostelkirche kehrt er das nun um: Auf fünfzehn beidseitig bedruckten Fahnen hängen die dreißig lebensgroßen Porträts, und wer hindurchgeht, hat in jede Richtung einen Menschen vor sich. Zuerst wollte Christian alle in Schwarz-Weiß zeigen, um Gleichheit zu wahren – beim Fotografieren verstand er es anders: Gleichwertigkeit braucht die Farbe, die roten Haare, die Hauttöne, das Eigene jedes Einzelnen. Eine Audiocollage lässt jede:n in der eigenen Sprache von sich erzählen, sodass auch blinde Besucher:innen in die Menge eintauchen. Was als Konzept über Gleichwertigkeit begann, wurde für ihn selbst zur Lektion – die Lebensgeschichten der dreißig haben ihn verändert. So entstand eine Menschheitsfamilie.

www.fotogufler.com

Hören Sie hier den Audioguide zu Christian Gufler
Standort Kunstwerk

„Menschheitsfamilie“

Apostelkirche Oberstadt, beim Brixner Tor 
Zugänglichkeit: 9.00–18.00 Uhr

 
Lageplan Triennale Klausen
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Patrick Obkircher
Patrick Obkircher ist einer der fünf Hauptkünstler der Triennale Klausen.
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Christian Gufler
Christian Gufler ist einer der fünf Hauptkünstler der Triennale Klausen.
„BEIM FOTOGRAFIEREN SUCHE ICH DEN GLANZ IN DEN AUGEN, DAS IST FÜR MICH LEBEN.”
Der Künstler aus Lana fotografierte in seinem Studio 30 Menschen für sein Werk "Menschheitsfamilie". Zu seinem Werk wurde er inspiriert, als er in Rom mitten auf einem belebten Platz mitten im Getümmel still stand und alle Menschen an sich vorbei ziehen hat sehen.
zum Künstler
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MENSCH SEIN
Triennale Klausen
13.06. - 07.11.2026
Die Triennale Klausen bringt vom 13. Juni - 7. November zeitgenössische Kunst in das Künstlerstädtchen. Alle drei Jahre wird Klausen zum Treffpunkt für Kunstschaffende, Besucherinnen und Besucher. Ausstellungen, Installationen und künstlerische Positionen eröffnen neue Perspektiven auf Stadt, Raum und Gegenwart.
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