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Hauptkünstler

Florian Tschurtschenthaler

Was mit der Idee zum Weihnachtsfrieden begann – jener inoffiziellen Waffenruhe zwischen Soldaten an Weihnachten 1914 – wurde für den Bildhauer zur Auseinandersetzung mit dem Heute. Drei Holzfiguren hat Florian Tschurtschenthaler geschnitzt: zwei Soldaten, die einander im Niemandsland gegenüberstehen, ein Scharfschütze oben auf dem Paterhügel, der innehält. Aufgestellt im Kapuzinergarten von Klausen. Ein Werk über den Augenblick, in dem aus dem Feind wieder ein Mensch wird. 

„DIE GRÖSSTE MENSCHLICHE STÄRKE? DAS RICHTIGE TUN, AUCH WENN DU DER EINZIGE BIST.“
Die Spannung ist groß, die Luft zum Bersten voll mit Angst. Zwei Soldaten sehen sich plötzlich in die Augen. Sie zoomen heran – und erkennen Haut, Pickel, rasenden Puls, dieselben Zweifel, ein menschliches Leben. Oben am Paterhügel hat der Scharfschütze angelegt. Auch er begreift in diesem Moment, zu welcher Maschine ihn der Krieg gemacht hat. Sein Kopf vergräbt sich im Helm.
Florian ist in Sexten aufgewachsen, mitten in den Dolomiten, wo im Ersten Weltkrieg die Front verlief. Bunker, Stacheldraht, Granaten – das findet man dort in den Bergen noch heute. Eine Landschaft, in der die Vergangenheit nicht abgeschlossen ist. Die Idee zu „Weihnachten“ kam intuitiv, aus einem Gespräch über das Menschsein.
Ihn beschäftigt, wie Entmenschlichung funktioniert: dass der Feind erst zur Bedrohung gemacht werden muss, damit man auf ihn schießen kann. Und dass dieses Werkzeug längst nicht mehr nur im Krieg gebraucht wird. „Der Mensch wird oft auf Leistung reduziert. Auf oberflächliche Ideale. Eine Art Objektifizierung.“ Für ihn der Anfang von Entmenschlichung.
 
Geerdet. Das ist das Wort, mit dem Florian sich selbst beschreibt. Schnitzen liegt bei ihm in der Familie: Schon sein Uropa, sein Opa, sein Vater haben mit Holz gearbeitet. Die Ausbildung hat er in St. Ulrich in Gröden gemacht, klassisch: Erst entsteht ein kleineres Modell, dann wird es vergrößert, im Prozess verändert es sich noch. Er sei eher in einer künstlerischen Findungsphase, sagt er über sich. Auf der Suche nach seinem Stil, auch nach sich selbst. „Wo man gerade ist, wird schon seinen Sinn haben.“
Wenn er nicht schnitzt, arbeitet Florian im Wald. Den engen Kontakt zur Natur mag er. Das Holz, das er später bearbeitet, kommt von dort – mit eigenem Wuchs, eigener Maserung. Was im Holz schon angelegt ist, holt er heraus. Die Arbeit im Wald macht ihn präsent, sagt er. Manchmal schläft Florian auf dem Waldboden, neben seiner Figur, an der er gerade arbeitet. Dort kommt er zu sich.
Wenn Florian gefragt wird, was es für den Frieden braucht, antwortet er ohne Pathos: keine Angst vor anderen. Das Verständnis, dass jeder Mensch eine Familie hat, Gefühle, Schmerzen, jemanden, der ihn vermisst. Und das karmische Gesetz – was du tust, kommt zurück. „Wenn sich jeder daran halten würde, sähe die Welt anders aus.“
Über den Künstler und sein Werk
Biografie

Florian Tschurtschenthaler | *2001 in Innichen, lebt in Sexten/Moos 

„Geerdet“ – das ist das Wort, mit dem Florian Tschurtschenthaler sich selbst beschreibt. Das Handwerk liegt in der Familie: Schon Uropa, Opa und Vater haben geschnitzt. Er wusste früh, dass dies auch sein Weg ist, und besuchte nach den Pflichtschuljahren die Landesberufsschule für das Kunsthandwerk in St. Ulrich in Gröden. Anschließend absolvierte er ebenda eine Spezialisierung zum Holzbildhauer. Sieht er ein Stück Holz, hat er zuerst ein Gefühl, was daraus entstehen kann – dann kommt die Technik. Seine Figuren sind ausdrucksstark und detailreich; das Spektrum reicht von sakralen Motiven bis zu Menschen des Alltags, mit besonderer Sorgfalt für die Gesichter. Seit 2021 ist er selbständig, nach eigener Aussage in einer künstlerischen Findungsphase: auf der Suche nach seinem Stil und nach sich selbst. Wenn er nicht schnitzt, arbeitet er im Wald. Das Holz, das er später bearbeitet, kommt von dort. Manchmal schläft er sogar auf dem Waldboden, neben der Figur, an der er gerade arbeitet. Dort kommt er zu sich. 

 
Werkbeschreibung

„Weihnachten“
Was mit der Idee zum Weihnachtsfrieden begann – jener inoffiziellen Waffenruhe zwischen Soldaten an Weihnachten 1914 – wurde für Florian Tschurtschenthaler zur Auseinandersetzung mit dem Heute. Drei Holzfiguren hat er geschnitzt: zwei Soldaten, die einander im Niemandsland gegenüberstehen, und ein Scharfschütze, der oben auf dem Paterhügel innehält. Die Figuren stehen weit auseinander; durch Fernrohre holen die Besucher:innen die jeweils gegenüberliegende Figur heran – genau jenes Heranzoomen, um das es im Werk geht. „Weihnachten“ erzählt vom Augenblick, in dem aus dem Feind wieder ein Mensch wird: Die beiden Soldaten sehen sich plötzlich in die Augen und erkennen Haut, rasenden Puls, dieselben Zweifel, ein menschliches Leben. Auch der Scharfschütze begreift, zu welcher Maschine ihn der Krieg gemacht hat; sein Kopf vergräbt sich im Helm. Florian interessiert, wie Entmenschlichung funktioniert: dass der Feind erst zur Bedrohung gemacht werden muss, damit man auf ihn schießen kann – ein Mechanismus, der längst nicht mehr nur im Krieg greift, sondern überall dort, wo der Mensch auf Leistung und Oberfläche reduziert wird. 

www.instagram.com/bildhauer_florian_tsch/

 
Hören Sie hier den Audioguide zu Florian Tschurtschenthaler
Standort Kunstwerk

„Weihnachten“

Kapuzinergarten & Paterhügel
Zugänglichkeit: frei zugänglich

 
Lageplan Triennale Klausen
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Patrick Obkircher
Patrick Obkircher ist einer der fünf Hauptkünstler der Triennale Klausen.
„MIR IST NICHT WICHTIG, EINE SCHÖNE SKULPTUR ZU MACHEN. SONDERN EINE, DIE TIEFE HAT.”
Der junge Künstler aus Welschenofen hat ein Selbstportrait der besonderen Art angefertigt. Es träg den Titel "To Be".
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Lukas Mayr
Lukas Mayr ist einer der fünf Hauptkünstler der Triennale Klausen.
„DIE FREQUENZ, DIE TRÄGT, IST IMMER DA. DIE FRAGE IST NUR, OB WIR UNS IN SIE HINEIN BEWEGEN.”

Der in Brixen lebende Künstler beschäftigt sich mit der Frage, was der Antrieb jedes Menschen ist, etwas Bleibendes zu bauen. Er nennt dies Mirkokultur. Für sein Werk "Stein der Weisen", hat er einen riesigen Steinkoloss aus den Tiefen der Erde geholt und bearbeitet.

zum Künstler
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Bernhard Reiterer
Bernhard Reiterer ist einer der fünf Hauptkünstler der Triennale Klausen.
„FARBEN SIND SICHTBARE SCHWINGUNGEN”
Der Malermeister aus Meran macht mit seinem Kunstwerk "Das innere Leuchten" zwischenmenschliche Begegnung sichtbar.
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Christian Gufler
Christian Gufler ist einer der fünf Hauptkünstler der Triennale Klausen.
„BEIM FOTOGRAFIEREN SUCHE ICH DEN GLANZ IN DEN AUGEN, DAS IST FÜR MICH LEBEN.”
Der Künstler aus Lana fotografierte in seinem Studio 30 Menschen für sein Werk "Menschheitsfamilie". Zu seinem Werk wurde er inspiriert, als er in Rom mitten auf einem belebten Platz mitten im Getümmel still stand und alle Menschen an sich vorbei ziehen hat sehen.
zum Künstler
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MENSCH SEIN
Triennale Klausen
13.06. - 07.11.2026
Die Triennale Klausen bringt vom 13. Juni - 7. November zeitgenössische Kunst in das Künstlerstädtchen. Alle drei Jahre wird Klausen zum Treffpunkt für Kunstschaffende, Besucherinnen und Besucher. Ausstellungen, Installationen und künstlerische Positionen eröffnen neue Perspektiven auf Stadt, Raum und Gegenwart.
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