Florian Tschurtschenthaler | *2001 in Innichen, lebt in Sexten/Moos
„Geerdet“ – das ist das Wort, mit dem Florian Tschurtschenthaler sich selbst beschreibt. Das Handwerk liegt in der Familie: Schon Uropa, Opa und Vater haben geschnitzt. Er wusste früh, dass dies auch sein Weg ist, und besuchte nach den Pflichtschuljahren die Landesberufsschule für das Kunsthandwerk in St. Ulrich in Gröden. Anschließend absolvierte er ebenda eine Spezialisierung zum Holzbildhauer. Sieht er ein Stück Holz, hat er zuerst ein Gefühl, was daraus entstehen kann – dann kommt die Technik. Seine Figuren sind ausdrucksstark und detailreich; das Spektrum reicht von sakralen Motiven bis zu Menschen des Alltags, mit besonderer Sorgfalt für die Gesichter. Seit 2021 ist er selbständig, nach eigener Aussage in einer künstlerischen Findungsphase: auf der Suche nach seinem Stil und nach sich selbst. Wenn er nicht schnitzt, arbeitet er im Wald. Das Holz, das er später bearbeitet, kommt von dort. Manchmal schläft er sogar auf dem Waldboden, neben der Figur, an der er gerade arbeitet. Dort kommt er zu sich.
„Weihnachten“
Was mit der Idee zum Weihnachtsfrieden begann – jener inoffiziellen Waffenruhe zwischen Soldaten an Weihnachten 1914 – wurde für Florian Tschurtschenthaler zur Auseinandersetzung mit dem Heute. Drei Holzfiguren hat er geschnitzt: zwei Soldaten, die einander im Niemandsland gegenüberstehen, und ein Scharfschütze, der oben auf dem Paterhügel innehält. Die Figuren stehen weit auseinander; durch Fernrohre holen die Besucher:innen die jeweils gegenüberliegende Figur heran – genau jenes Heranzoomen, um das es im Werk geht. „Weihnachten“ erzählt vom Augenblick, in dem aus dem Feind wieder ein Mensch wird: Die beiden Soldaten sehen sich plötzlich in die Augen und erkennen Haut, rasenden Puls, dieselben Zweifel, ein menschliches Leben. Auch der Scharfschütze begreift, zu welcher Maschine ihn der Krieg gemacht hat; sein Kopf vergräbt sich im Helm. Florian interessiert, wie Entmenschlichung funktioniert: dass der Feind erst zur Bedrohung gemacht werden muss, damit man auf ihn schießen kann – ein Mechanismus, der längst nicht mehr nur im Krieg greift, sondern überall dort, wo der Mensch auf Leistung und Oberfläche reduziert wird.
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