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Wenn Schokolade zu Gold wird

Der König der Pralinen

Mit seinen Köstlichkeiten könnte der Patissier-Weltmeister Benjamin Sellemond die Gaumen von feinen Hotelgästen in Paris, New York oder Dubai verzücken. Doch er hat sich ganz bewusst für das Leben in seinem Südtiroler Heimatdorf entschieden. So kommt nun ganz Feldthurns in den Genuss seiner süßen Kunst.

Die Backstube der Familienbäckerei Sellemond ist klein und hat sich kaum verändert seit Benjamin und seine Brüder auf der Teigausrollmaschine laufen lernten. „Wir mussten unserem Vater immer helfen und zu Hause Kekse tunken“. Heute nennt er das ein Glück: „Man startet ganz anders in den Berufsalltag als zum Beispiel die Kinder aus der Stadt. Wir merken unseren Auszubildenden sofort an, ob sie von einem Hof kommen. Fleiß wird einem da quasi in die Wiege gelegt.“

Seit 70 Jahren ist die Bäckerei eine Institution im Eisacktal. Ihr Ruf reicht weit über Südtirol hinaus – dank handwerklicher Qualität und erstklassiger Zutaten: Mehl aus vier Mühlen, Haselnüsse aus dem Piemont, Mandeln aus Sizilien, Pistazien vom Ätna, Walnüsse aus Südtirol. Viele der rund 80 Lieferanten kennt die Familie persönlich.
»Unser Rezeptbuch ist immer offen - Was nützt das Rezept, wenn du es nicht draufhast? Ich glaube daran, dass etwas zurückkommt, wenn man mit offenen Karten spielt.«
Wenn man dem heute 30-jährigen gegenübersitzt, ist da einerseits immer noch der aufgeweckte Junge mit den neugierigen Augen. Und gleichzeitig ein Mann, dem nichts schwer zu fallen und alles zu gelingen scheint. Auf die Frage, ob ihn schon einmal etwas zur Verzweiflung gebracht hätte, erzählt Benjamin nicht von Wettbewerben oder Meisterschaften.

”Das ist jetzt schon viele Jahre her, dass der Tourismusverein mich fragte, ob ich für die Hotels zum „Keschtnfest“ Schokoladen zubereiten könne aus Esskastanien, für die unser Dorf so berühmt ist. „Laut Lehrbuch eine Nuss – also kein Problem.“ Doch die Schleimstoffe, Fasern und Ballaststoffe in den Kastanien machten das Projekt zur Geduldsprobe. „Ich habe die ganze Familie aufgescheucht, jeder musste helfen. Zwei, drei Wochen ging das so, oft auch bis tief in die Nacht. Am Ende fanden wir eine Lösung.“

Zeit für neue Ideen
Benjamin träumt davon, sich einen Tag pro Woche aus dem Alltag der Dorfbäckerei rauszunehmen und in sein Schokoladen-Labor zurückzuziehen. Die Maschinen, die es braucht, um aus Kakaobohnen exquisite Pralinen und Schokoladenfiguren herzustellen, sind noch viel zu wenig im Einsatz. „Was mir fehlt, ist die Zeit. Mein Bruder Matthias und ich, wir wussten immer, dass sehr viel Arbeit auf uns wartet, wenn wir in den Familienbetrieb einsteigen.“

Doch Benjamin hat Geduld und große Pläne. „Der „World Chocolat Masters“ ist der größte Wettbewerb, den man in der Welt der Patissiers gewinnen kann. Im Finale zu stehen, ist wie bei Olympia eine Medaille zu holen. Wenn er antritt, soll auch der Online-Shop stehen.

Bis dahin genießen Bewohner:innen und Gäste des Dorfes seine Kreationen: handgemachte Osterhasen mit Airbrush-Finish, Macarons, Pistazien-Nougat-Pralinen mit Orangenmarzipan oder eine weiß glitzernde, mit Himbeergelee gefüllte Schokoladenschönheit. Ideen für süße Glücksmomente hat der Pralinenkönig reichlich – und auch für die Zukunft. In Feldthurns und darüber hinaus darf man gespannt sein.

Text: Sylvia Pollex
Fotos: Thomas Rötting
Veröffentlichung: 2026

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